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Karlsruher Programm für Aktive Mobilität

Weiterentwicklung des 20-Punkte-Programms zur Förderung des Radverkehrs sowie Ergänzung von Aspekten für den Fußverkehr beschlossen

Das meist flache und kompakte Karlsruhe sollte schon von der Anlage her eine ideale Fahrradstadt sein. Lange Zeit war dies im realen Leben aber nur eingeschränkt der Fall, die Verkehrspolitik Karlsruhes war autofreundlich. Zwar bemühten sich Verbände schon lange um Verbesserungen, das älteste in meinem Archiv ist das „Radwege-Konzept für Karlsruhe“ der „Karlsruher Radler“ von 1984, aber weitgehend erfolglos.

Die Trendwende brachte erst der Test der Fahrradfreundlichkeit mittlerer Großstädte des ADAC, wo Karlsruhe auf Platz 18 von 22 landete (u&v 2/04). Das war dann wohl doch zu peinlich und es bewegte sich etwas. Man beauftragte ein namhaftes Büro (PGV), das schon in anderen Städten europaweit normierte Verfahren (BYPAD: Bicycle Policy Audits) durchführte und nun hier eine Bestandsaufnahme machte (u&v 3/04). Dies führte schließlich in Zusammenarbeit mit Vertretern von Verbänden, Parteien und Ämtern zum „20-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs“ bzw. „Fahrradfreundliches Karlsruhe“, das Ende 2005 beschlossen wurde (u&v 2/05, 3/05). Danach gab es 2009 und 2014 „Wirkungskontrollen“ nach BYPAD-Standard, nun stand eine Neufassung an:

Erstmals in einem BYPAD-Verfahren wurde dieses auch für den Fußgängerverkehr durchgeführt. Wieder saßen die o. g. Vertreter zusammen und haben zuerst versucht, im Konsens den aktuellen Status zu bewerten (in 4 Stufen 1=„ad hoc“, 2=„isoliert“, 3=„systemorientiert“, 4=„integriert“), bei welchem Unterpunkt Karlsruhe wie weit auf dem Weg zur Fuß-/Radfreundlichkeit vorangekommen ist. Dies schwankt stark von Punkt zu Punkt, insgesamt konnte sich Karlsruhe um eine Stufe verbessern auf 2,59. Beim Fußverkehr erreichten wir 1,99.

Auch das neue Programm, nun 25 Punkte, das man unter karlsruhe.de/radverkehr findet, wurde, soweit möglich, im Konsens aufgestellt und dann vom Gemeinderat am 19.10.2021 mit 38 zu 3 Stimmen beschlossen, s. a. karlsruhe.de/gemeinderat wo sich im TOP 23 Stichworte finden. Auszug: Systematische und umfassende Förderung Fuß- und Radverkehr, Karlsruhe etabliert sich als „Stadt der Mobilitätswende“, wird Vorreiter im Fuß- und Radverkehr / Sicherheit geht vor Leistungsfähigkeit / Verbindliche Anwendung der Regelwerke / Förderung von Innovation / Erreichen deutlicher CO2-Reduktion bis 2035 / Fahrleistung Umweltverbund an Gesamtverkehrsleistung steigt auf deutlich über 50 % bis 2030 und auf ca. 70 % bis 2035 bei Sicherung Basis-Mobilität für MIV / Vision Zero / Mobilitätsbildung / Werbung und Öffentlichkeitsarbeit / Strukturen und Finanzen sicherstellen / Verbindlichkeit gewährleisten / Umsetzung ermöglichen und überprüfen. Fußverkehr: Wegeinfrastruktur soll nationalen und internationalen Maßstäben und Planungsstandards entsprechen: Sicherheit, Aufenthaltsqualität, Attraktivität der Wege, Komfort, Barrierefreiheit, hochwertige Berücksichtigung des Fußverkehrs an Knoten- und Querungsstellen sind wesentliche Aspekte. Radverkehr: Netzkonzeption prüfen und umsetzen / Sofortmaßnahmen für zügige Verbesserungen / Wegweisung / Fahrradparken ausbauen / Fahrraddiebstahl bekämpfen / Fahrradverleih, Service und Systemintegration Rad-ÖV.

Viele wohlklingende Punkte, nur wenige konkrete Zahlen etc.: Wenn Konsens gewollt ist, geht es auch kaum anders. Wie schon beim vorherigen Programm hängt die weitere Umsetzung vom Willen der Beteiligten ab. Neben dem Konsens war nach 2005 auch entscheidend, dass führende Personen in der Stadt wechselten und eine, eher als die vielen Jahre zuvor, radverkehrsfreundlichere Mehrheit in den Gemeinderat gewählt wurde. So konnten letztlich einige Ziele (Modal Split) übererfüllt und mit relativ einfachen Maßnahmen Münster als Nr. 1 der Städte unserer Größenklasse abgelöst werden im ADFC-Klimatest. Die Note ist trotzdem nur „befriedigend“, das muss besser werden. Münster wurde wohl nur deswegen überrundet, weil sich da weniger tat und die Infrastruktur auf alten Lorbeeren hängen geblieben ist. Mit kleinen Maßnahmen wird man auch in Karlsruhe nicht mehr weiter kommen, man muss nun mehr klotzen. Dazu ist neben dem Willen auch mehr Geld und Personal nötig. Auch damit der Rahmen des Programms mit mehr Leben gefüllt wird, hat sich eine Initiative gebildet, die im Artikel auf der nächsten Seite vorgestellt wird.

Heiko Jacobs

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